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Pastor Holzauge, warum sind im Christentum im Unterschied zum Islam die Männer religiös abstinent?

  • Würde man die Ursachen aufdecken, käme man zu befremdlichen Ergebnissen. Bedenken wir, worum es für jeden Menschen geht: Gott teilt sein Menschsein an jeden Menschen mit, damit er werden kann, was er werden soll. Diese Möglichkeit kann zunächst nur bekannt gemacht werden. Entscheidend ist es jedoch, wie sich die Menschen dazu verhalten. Das hängt von Voraussetzungen und Umständen ab, deren Zusammenspiel wohl niemand durchschauen kann. Zur Darstellung schafft man soziologische Modelle. Etwa das des Milieus. Jeder Versuch, die Gründe für die religiöse Verschämtheit der Männer zu finden, bleibt erfolglos, solange man das kirchliche Umfeld nicht untersucht. Doch wer möchte sich mit einer entsprechenden Milieustudie Feinde machen wollen? Auf Milieustudien über die Situation der Priester reagiert mancher Bischof äußerst repressiv. Spezifische Milieustudien über die religiösen Interessen der Männer kenne ich nicht. Das religiöse Leben wird sicherlich nicht überwiegend vom Milieu bestimmt. Aber jedes Umfeld hat eine zählebige Abgrenzungs- und Beharrungsfunktion, wenn es nicht rational erhellt wird. Deshalb sagen einige Männer, in der Kirche würden sie herumkommandiert. Sogar im Gottesdienst werde ihnen noch vorgeschrieben, wie sie sich zu verhalten haben. Wohl als Reaktion darauf gibt es in manchen dörflichen Gegenden in der Kirche ein „Mannhaus“. Das ist die nach vorn vergrößerte Orgelempore und die dorthin führende Treppe. So kann man eine Abwehr- und Protesthaltung zeigen, indem man auf das „Mannhaus“ geht. Auf Disziplinierung reagiert jeder ausweichend oder mit Selbstbehauptungstechniken.
  • Wollen Männer dem Milieu ihrer Gemeinde ausweichen, gehen sie in den Kirchenvorstand. Dort haben sie eine funktionale Rolle. Im Pfarrgemeinderat, einem Pastoralgremium, läuft jeder Gefahr, sein religiöses Selbstverständnis durchblicken zu lassen. Deshalb sind in den vergangenen Jahren sehr oft Frauen Vorsitzende der Pfarrgemeinderäte geworden. Männer gehen auf ihre kirchlichen „Spielwiesen“, z.B. in „Männergemeinschaften“ und holen sich eine Galionsfigur, einen Präses. Dort sind sie unter sich, in ihrem selbstgewählten Milieu.

Hinzu kommt eine affektiv latente Abneigung gegen Priester. Der Priester ist ein Neutrum, das aus einsichtigen Gründen keine Virilität zeigt. Sie nehmen ihn schon deswegen „nicht für voll“. Das sagen sie zwar nicht. Das zeigen sie aber durch ihr Verhalten ihm gegenüber. Meinen Sie, Männer fragen jemals nach einem „Seelsorger“? Der ist doch Repräsentant des kirchlichen Milieus. Das zeigen auch seine langen Gewänder und die Assoziationen der Zeichensprache. Außerdem wird „Glaube“ als etwas missverstanden oder vorgeschoben, was nichts mit dem Kopf zu tun hat, sondern überwiegend „Gefühlssache“ ist. Solcher Kirchenglaube ist „Frauensache“. Die Mütter, nicht die Väter, beten mit ihren Kindern. Für die religiöse Erziehung ist die Mutter zuständig. Das sagen Männer unumwunden.

Sind Männer religiös weniger interessiert als Frauen?

  • Das Grundübel der Kirche ist das unzureichende religiöse Wissen und die dadurch bedingte mangelhafte Bildung. Es genügt, die Gemeinden zu betreuen. Religiöse Bildung ist überpfarrlich organisiert und bringt für die Gemeinden so gut wie nichts. An den Männern kommt das religiöse Bildungsniveau noch einmal exemplarisch zum Ausdruck. Sie wollen ihren Kopf schon deswegen nicht anstrengen, weil sie dann eine andere Einstellung zum kirchlichen Milieu einnehmen müssten. Das erscheint ihnen zwecklos. Gegen die Kontroll- und Disziplinierungsfunktionen eines Milieus kann niemand etwas ausrichten. In jedem Milieu stecken doch zahlreiche irrationale Faktoren, auf die zwar jeder reagiert, die aber nicht jeder billigt. Vielleicht haben es Frauen einfacher, das Irrationale im kirchlichen Milieu hinzunehmen.

Halten Männer die liturgischen Formen und Gebete für gekünstelt und demzufolge befremdlich?

  • Daran ist überhaupt nicht zu zweifeln. Wie mag sich ein Mann vorkommen, der bei einem Marienlied mitsingt: „Gottesmutter, süße! O, Maria hilf“? Wenn Sie die Lieder unserer Gesangbücher durchsehen, finden Sie darin das religiöse Selbstverständnis der Männer unserer Tage bestimmt nicht. Deshalb werden sie sich weiterhin mit der Kirche „abfinden, wie sie ist“ und das kirchliche Leben gern den Frauen überlassen wie bisher.

Lassen sich die Männer unter diesen Umständen überhaupt für die Entwicklung der Kirche gewinnen?

  • Wer unterscheidet überhaupt zwischen Wesen und Gestalt, dem Wie und dem Was? Das Umfeld ist nicht das Wesen. Aber das Wesen ist nie ohne ein Wie. Die Kirche ist nie ohne ein Umfeld. Wenn das heutige kirchliche Milieu verschwindet, werden wir ein anderes, aber noch kein besseres haben. Besser wird es wohl erst werden, wenn die Männer sich überwinden „mitzureden“. Aber sie werden auch weiterhin „den Mund nicht aufmachen“, sondern durch ihr Verhalten zeigen, was ihnen die Kirche bedeutet. Eine schwache Moral geht immer auf Distanz. Wer weiß denn schon zu sagen, worum es in einem Gottesverhältnis geht? Wollten die Männer das wissen, würden sie ihre religiöse Verschämtheit, die auch mit Verdrossenheit verbunden ist, vielleicht ablegen.
14.8.20 09:11
 



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