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Rede von Gott! (5) Aber nicht mit nur mit dem Munde.

Von Gott zu reden, ohne ihn gehört zu haben, ist unmöglich. Wer aber hat ihn „gehört“? Man meint, das zu sagen, sei die Aufgabe der Theologen. Sie sagen aber nur, was früher andere gehört und darum gesagt haben. Zudem haben sie sich angewöhnt, eine Kirche mit Fertigbauteilen zu errichten. Das sind die Dogmen, die Lehrsätze. Sie haben die Getauften in „Plattenbauten“ einziehen lassen. Dort haben sie zu glauben, was ihnen gesagt wird. Denn sie meinten, alles werde schon seinen Gang nehmen, wenn man den Menschen das Erste von allem, die Wahrheit, einspeist. Inzwischen haben wir aber immer mehr Menschen, die nach eigenem Ermessen die Wahrheit ergreifen und obendrein ihre eigene Wahrheit hervorbringen. Sie bestimmen sich selbst und wohnen im eigenen Haus ihrer Interessen. Die Fremdbestimmten wohnen in der „Platte“. Das ist die Kirche, mit der die meisten Getauften nichts zu tun haben wollen. Man meint zwar, in der Kirche seien die „Hörer“, weil sie auf Selbstbestimmung verzichten und deswegen „gehorsam“ sind. Anderswo seien die Ungehorsamen, die sich nichts sagen lassen. Wer sich nichts sagen lassen will, geht seine eigenen Wege. Aber das seien nicht die Wege Gottes. Tatsächlich lassen sich die Menschen durchaus etwas sagen, wonach sie sich richten müssen. Aber es reden so viele auf sie ein, dass sie nicht mehr heraushören, worauf es immer und überhaupt ankommt. Dieses herauszuhören, ist Sache der Vernunft. Wenn die Ver-nunft nicht mehr ver-nimmt, worauf es unbedingt, also immer und überhaupt, ankommt, ist der Mensch als Person taub. Mit der Vernunft zu „hören“, was nur sie vernehmen kann, ist keine Sache des Alltagsbewusstseins. Für die täglichen Dinge brauchen wir nur den Verstand. Darüber kommen die meisten nicht hinaus. Mögen sie noch so gescheit sein. Aber ohne die Vernunft kann man Gott nicht „hören“. Denn Gott rede nicht immer dasselbe. Er meldet sich gewissermaßen an durch die Möglichkeiten, die von der Vernunft als Möglichkeiten identifiziert werden. Dann spricht Gott durch sein eigenes Menschsein, das für uns der Bereich der Möglichkeiten ist. An Möglichkeiten zu denken, ist die Aufgabe der Vernunft. Möglichkeiten sind Realität in Gott. Anderenfalls wären sie Wunschdenken. Mit der Vernunft blickt der Mensch in die „Ferne“, also auf das, worauf alles hinauskommen soll, weil sonst alles umsonst wäre. Darum sagt der Apostel Jakobus vorweg: „Fehlt es einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten.“ Weisheit erwächst aus dem Dialog von Verstand und Vernunft mit ihren entsprechenden Gegenständen, dem Bedingten und dem Unbedingten. Diese Aktivität zur Ausbildung der Weisheit nennt man in unserer Sprache Gebet. Hat der Beter Gottes Wort vernommen, so vermag er nicht nur „von Gott zu reden“, sondern er kann Gottes Wort durch sein Reden und Tun in die Situationen des Lebens einbringen, so dass etwas geschieht, was ohne das Wort Gottes nicht vorkommt. Ist die Situation „performativ“, ist sie heilswirksam. Informativ ist sie immer, insofern sie etwas zu verstehen gibt. Performativ ist sie, insofern sie, dass sie den Willen des Anderen erreicht. Durch das, was dann geschieht, weiß der Mensch, was Gott ihm „gesagt“ hat und er willigt ein, weil ihm das Gute als Gottes Gabe gegenwärtig ist. Ist das Gute nicht gegeben, kann er nicht einwilligen. Steht ihm das Gute nur gegenüber, wird er aggressiv. Was der Mensch also von Gott „gesagt“ bekommt und was er infolgedessen „hört“, ist das Gute, das ihn befähigt, es weiterzugeben. Darauf kommt es immer und überhaupt an. Das aber heißt: „Gottes Wort verkünden“. Das ist mehr als nur „von Gott zu reden“. Denn nicht wer „Herr, Herr, sagt, sondern wer den Willen des himmlischen Vaters erfüllt,“ verkündet Gottes Wort. Er lebt und wirkt so, dass der Sinn des Lebens nicht aushört, sondern immer wieder neu erscheint und zwar im Miteinander, das immer besser wird, weil jeder für den Anderen mehr Gutes tun kann, als er zuvor tun konnte. Mehr ist nicht möglich. Aber ohne Gott gehört zu haben ist es nicht möglich. Gott spricht also durch die Taten des Menschen und sie „hören“ ihn durch jene Fähigkeiten, die sie nicht schon immer gehabt haben, sondern jeweils neu empfangen.

13.11.19 09:00
 



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