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Das Interesse an einem Verhältnis zu Gott vom eigenen Bedürfnis abhängig zu machen, ist erst möglich, wenn jemand nicht verstanden hat wie man auf das Wort Gott kommt und was damit gemeint ist. Es ist nicht in uns begründet, daß wir vor unverrückbare Tatsachen gestellt und unverzichtbare Interessen haben, sondern in unserem Bewußtsein zeichnet sich nur ab, was auch ohne uns so sein muß: Daß wir auf die Wahrheit und das Gute angewiesen bleiben. Niemand kann sagen, das werde eines Tages überholt sein. Es weiß um das „Unbedingte“, das sich nicht nach uns richtet, sondern das uns „richtet“. In der religiösen Sprache heißt das: Vor dem Angesicht Gottes stehen. Wer diesen „Blick“ Gottes nicht aushalten kann, „sieht“ weg. Er hat andere Interessen und weiß, daß sie immer fragwürdig bleiben. „Im Angesicht Gottes“ zu leben, erfordert eine Bewußtseinsverfassung, mit der wir nicht geboren werden. Wenn sie zustande kommt, ist sie Gabe dessen, der sie selbst haben muß. Sie ist Gabe des Bewußtsein schaffenden Gottes, des Heiligen Geistes. Er kann nicht einschüchtern und Angst verbreiten, sondern er schafft zunächst einmal aktives Selbstbewußtsein, die Freiheit. Ohne sie gibt es keine persönlichen Interessen, sondern nur Meinungen und Mitläufertum. Gott kann nicht daran interessiert sein, daß wir Menschen Kümmerlinge sind, sondern „Kinder Gottes“. Bevor unser Menschsein nicht in Ordnung ist, können wir an einem Verhältnis zu Gott kein Interesse haben. Denn es ist Gottes eigenes Menschsein, das uns erst ein Verhältnis zu ihm ermöglicht. Das Menschsein ist der Raum der Begegnung zwischen dem dreifaltigen Gott und der Menschheit. Was wir mit Gott zu tun haben, können wir darum nur an unserem Menschsein erkennen. Wir sind entweder damit einverstanden oder des Lebens überdrüssig. Maßgebend bleibt immer das Interesse oder Desinteresse an Gott. Es ist nicht anders denkbar.

23.10.19 09:21
 



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