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Warum vertragen sich Glaube und Wissenschaft oftmals nicht?

Beides gehört doch zum Menschen. Es sind die Menschen, die sich nicht vertragen. In der Wissenschaft geht es um die Wahrheit, die zu verstehen gibt, was ist und was es bedeutet. Im Glauben geht es um ein Verhältnis zu Gott. Beeinträchtigt das Wissen das Verhältnis zu Gott oder ist es sogar notwendig? Unser Wissen bestimmt weithin unser Selbstverständnis und dies wiederum unsere Identität. Denn was für ein Mensch jemand sein will, muss er wissen. Je mehr jemand weiß, um so fragwürdiger wird sein Denken und Verstehen. Wer nur wenig weiß, meint, er habe bald alles verstanden und fragt nicht weiter. Auch die Bedeutung eines Gottesverhältnisses muss verstanden werden. Aber ohne ein hinreichendes Selbstverständnis kann niemand um die Bedeutung eines Gottesverhältnisses wissen. Mancher meint jedoch mit „seinem Glauben“ habe er schon das Richtige begriffen. Der Glaube liegt im Bewusstsein und das Wissen ebenfalls. Aber zu welchem Bereich des Bewusstseins gehört das eine und das andere? Wenn man Glaube und Wissen lokalisiert, hilft das nicht weiter. Man sollte fragen, welchen Einfluss Glaube und Wissen auf die menschlichen      Fähigkeiten und Lebenshaltungen haben. Denn es geht um die Identität eines      Menschen. Niemandem ist es egal, was für ein Mensch er sein will und sein kann. Hängt es vom Glauben ab, was für ein Mensch jemand sein kann? Wer sein will, was er in jeder Hinsicht sein soll, weiß, dass er das nur in einem Gottesverhältnis verwirklichen kann. Um sein zu können, was er sein will, muss er kein Verhältnis zu Gott eingehen. Da es für den Glaubenden um das Seinkönnen geht, kann die Wissenschaft doch gar keinen Einfluss darauf haben. Das Können ist doch nicht allein vom Wissen abhängig. Wenn es um das Seinkönnen geht, müssen alle Fähigkeiten eingesetzt werden. Der Gläubige darf darum auf seinem einmal erreichten Glaubensverständnis nicht beharren und der Wissenschaftler weiß auch, dass seine Geistesverfassung nicht allein von seinem Wissen abhängt. Jeder weiß, dass sein Leben so      weit reicht wie seine Interessen. Was ihn nicht interessiert, bleibt ihm fremd. Dazu hat er kein Verhältnis. Das Wissen zeigt Beziehungen, aber kein Verhältnis zum Erkannten. Glaube an jemanden ist der Wille zu einem Verhältnis. Erkenntnis und Wille sind zwei verschiedene Fähigkeiten. Der Glaubende muss sich jedoch klar machen, dass der denkbar größte  Unterschied unter den Menschen darin besteht, ob sie ein Verhältnis zu Gott haben oder nicht.

 

9.5.19 09:13
 



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