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Kommentar zu den Perikopen des 22. Sonntags im Jahreskreis C - 2. September 2018

 

1. Lesung Dtn 4,1-2.6-8

Und nun, Israel, höre die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch zu halten lehre. Hört und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen. Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, achten, auf die ich euch verpflichte. Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennen lernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk. Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen? Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?

 

Auch in unserer Zeit gibt es Völker, die nicht in einem Staat leben. Gesellschaftliche Ordnungssysteme sind zwar bekannt, aber es fehlt die Fähigkeit, das vorgegebene Miteinander im Volk zu einem Zusammenleben mit Rechten und Pflichten zu machen. Das Problem liegt im den Wirkweisen von Macht und freiheitlicher Selbstbestimmung. Die Macht muss sich auf Funktion beschränken und die Freiheit muss von der Verantwortung beschränkt werden. Wollen und Sollen müssen in ihrer Bedeutung erkannt werden. Die Entstehung der Macht wird sich wohl dadurch erklären lassen, dass sie eine Kategorie des Sein ist. 

 

2. Lesung Jak 1,17-18.21-27

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien. Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. Wer das Wort nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein. Wer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, der betrügt sich selbst und sein Gottesdienst ist wertlos. Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.

 

Kategorien sind Aussageweisen des Seins. Es ist das Wesen des Seins, sich auszusagen. Die Aussage des Seins aber bringt nicht nur Erkenntnis hervor, sondern auch Wirklichkeit. „Hört das Wort nicht nur, sondern handelt danach. Sonst betrügt ihr euch selbst.“ (V 22).

 

Evangelium Mk 7,1-8.14-15.21-23

Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, hielten sich bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

 

Sind die religiösen Reinheitsvorschriften symbolische Handlungen, dann weisen sie auf ein tadelloses Verhalten hin. Doch tatsächlich lenken sie davon ab. In einem Leben nach Vorschrift kann es keine Freiheit geben und ohne Freiheit kein Geistesleben. Doch auch im religiösen Leben ist der Weg mit Vorschriften gepflastert. Die Folgen sind u.a. fragloser Gehorsam. Aber auch er will sich immer wieder „Luft verschaffen“ und wird deshalb bedroht. Ordnung ohne Freiheit scheint beständig zu sein.

1.9.18 09:17
 



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