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Woran denken Christen,

wenn sie Ostern feiern?

 

 

Man sollte annehmen, dass jeder weiß, warum an einem bestimmten Tag Jahr für Jahr Ostern gefeiert wird. Feiertage werden fast nie abgeschafft. Hohe Festtage überhaupt nicht. Vergessen werden sie auch nicht. Denn es gibt sie nur, weil irgendwann in der Geschichte eines Volkes oder der ganzen Menschheit etwas geschehen ist, was große Wirkungen gehabt hat. Alles wäre anders geworden, wenn es das eine oder andere nicht gegeben hätte.

Wenn etwas nicht vergessen werden soll, spricht man von Gedenktagen. Sie müssen nicht immer festlich begangen, also gefeiert werden. Wenn aber gefeiert wird, setzt man voraus, dass man nicht noch daran erinnern muss, was gefeiert wird.

 

Inzwischen ist es so, dass die hohen Feiertage zwar immer im Kalender stehen, aber heute ist den Leuten die arbeitsfreie Zeit am wichtigsten. Was sonst noch zu einem Feiertag gehört, „kann man vergessen.“

 

Ostern ist das höchste Fest der Christen

 

Es dauerte anfangs eine Woche, bis zum Weißen Sonntag. In der ersten Zeit der Christenheit wurden in der Feier der Osternacht die Taufschüler – Katechumenen wurden sie genannt -  getauft und dadurch „in die Kirche aufgenommen“. Das ist etwas Äußerliches. In der Religion aber geht es immer um das, was „dahintersteckt“. Es geht um den Grund, warum es dies und das gibt. Alles andere nennt man einen Anlass. Warum man anfangs nur zu Ostern taufte, hatte einen Anlass. Warum Menschen aber überhaupt getauft werden, hat einen Grund. Ein Grund ist immer schon da, bevor man ihn bemerkt und darum bleibt er auch.

 

Das Osterfest muss einen besonderen Grund haben, wenn es das höchste Fest sein soll. Wenn man den Grund nicht kennt, wird man zwar nichts gegen das Osterfest haben, aber wie man es feiert, kann jeder mit sich selbst abmachen. Er kann Ostereier suchen oder verreisen.

 

Die Christen feiern die Auferstehung Jesu

von den Toten

 

Man weiß sicherlich auch heute noch, dass die Christen zu Ostern die „Auferstehung Jesu von den Toten“ feiern. Aber was „Auferstehung“ bedeutet, kann kaum jemand erklären. Meistens sagen auch die frommen Leute nur, was Tina vor zwei Jahren auch gesagt hat: „Jesus ist am Kreuz gestorben. Dann hat Gott ihn auferweckt und nun war er wieder fröhlich“. Richtig. Aber was steckt dahinter? Was haben wir davon?

 

Um es kurz zu sagen: Keiner kennt seinen eigenen Tod. Aber was er erlebt, wenn jemand in seiner Familie stirbt, ist das Schlimmste, was er erleben kann. Wir wissen war, dass jeder Mensch sterben wird. Aber Wissen und Erleben unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Wir erleben, dass der andere nicht mehr „da“ ist, wo wir sind; dass er uns fehlt. Deshalb fehlt uns auch alles, was immer das Wichtigste ist. Der Umgang mit einander. Es fehlt uns der Umgang mit ihm. Vom Umgang der Menschen miteinander hängt es ab,

ob wir einen Sinn im Leben finden und was in Zukunft möglich ist und geschieht, oder auch nicht mehr möglich ist.

Wenn der Umgang miteinander nicht mehr möglich ist, fehlt uns das, was wir nur mitbekommen und werden können, wenn das Zusammenleben andauert. Im Zusammenleben finden die Menschen den unvergänglichen Sinn des Lebens.

 

Durch Jesu Umgang mit den Menschen

haben viele neue Fähigkeiten bekommen

 

Wie war das nun mit dem Tod Jesu von Nazareth? Viele Menschen hatten erlebt, dass er etwas kann, was andere nicht können. Aber das sollten alle anderen eines Tages auch können. Er konnte auf Menschen einen förderlichen Einfluss nehmen. Der Einfluss zeigte sich darin, dass völlig hilflose oder unfähige Menschen, wenn er mit ihnen redete, hinterher so leben konnten, wie sie leben sollten. Das wird uns an besonders auffälligen Menschen sieben Mal im Neuen Testament berichtet. Wir bezeichnen diese Ereignisse als „Wunder“ oder Heilungswunder und sagen: Jesus hat Blinde sehend gemacht. Aussätzige geheilt. Gelähmten die Gesundheit wieder gegeben. Das Wichtigste war es nicht, dass Jesus das „gemacht“ hat. Es wird ja auch berichtet, er habe Tote auferweckt. Den „Jünglich von Nain“ und seinen Freund Lazarus. Das muss man richtig verstehen. Denn sie wären ja wieder gestorben. Aber das gibt es ja nicht, dass jemand zweimal stirbt. Deshalb muss man bedenken, worum es bei diesen Berichten eigentlich geht. Es geht immer darum, dass Menschen sein können, was sie sein sollen und dass sie damit auch einverstanden sind. Und weil man den Menschen das damals nicht mit „spröden Worten“ deutlich machen konnte, musste man eine Gelegenheit „erfinden“, die sich an die Vorstellungskraft und nicht nur an das Denken der Menschen wendete. Man stand ja vor dem großen Problem, erklären zu müssen, was die Menschen mit Gott zu tun haben. Die Erklärung muss sich immer nach dem Verständnis der Menschen richten, denen man etwas erklären will. Nehmen wir die Erzählung, wo Jesus seine Jünger nach der „Speisung der Fünftausend“ ins Boot schickte, damit sie auf die andere Seite des Sees von Genezareth fahren: Es wird dunkel. Er kommt Sturm auf. Sie kommen die ganze Nacht nicht voran. Da kommt Jesus im Dunkeln über das Wasser zu seinen Jüngern. Sie meinen ein Gespenst zu sehen und schreien. Dann spricht er sie an. Nun sind sie beruhigt. Petrus wird sogar „übermütig“, wie immer. Er will zu Jesus über das Wasser gehen. Jesus sagt nur: Komm! Und dann kann er es. Aber dann bekommt er Angst und versinkt. Er schreit um Hilfe. (Schwimmen konnte er als Fischer bestimmt). Jesus hält ihn fest und fragt ihn: Warum hast du gezweifelt?“ Und dann sind alle mit dem Schiff ganz schnell am Ufer. – Das ist alles so nicht geschehen, als ob man es hätte mit einer Kamera aufnehmen können, wenn es sie schon gegeben hätte.

Wenn man die Erzählungen über Jesus nur wie Zeitungsberichte lesen wollte, müsste man oft den Kopf schütteln und sagen: Alles orientalische Erzählungen. „Tausend und eine Nacht“ ist auch ein Buch mit unglaublichen Geschichten.

Es geht in den Evangelien immer wieder darum, zu zeigen, was Menschen durch den Umgang mit Jesus geworden sind und anders nie geworden wären.

In der Geschichte vom Zöllner Zachäus in Jericho, von dem Jesus eingeladen wird und sonst niemand dabei war, geht es darum zu zeigen, dass Zächaus hinterher ein ganz anderer Mensch war. Vorher war er ein rücksichtsloser Reicher. Durch den Umgang mit Jesus bekam er ganz andere Interessen. Die Hälfte seines Geldes hat er von da an den Armen gegeben. Jesus hatte ihn nicht „zusammengestaucht“ und ins Gewissen geredet, sondern das Zusammentreffen mit Jesus hat ihn völlig verändert. Es soll eben immer wieder darauf hinauskommen, dass die Menschen durch Jesus werden, was sie werden sollen und das auch können. Das ist eigentliche alles, worum es immer und überhaupt geht, ob „in der Kirche“, „im Glauben“ oder sonst wo. – Alle Menschen standen schon immer vor der Frage und heute ist das nicht anders: Wie können sie werden, was sie werden sollen? Mit dieser Frage, fragen sich nach ihrer Zukunft und nach dem, der ihnen durch ihre Fähigkeiten, die „Antwort“ auf diese Frage geben kann. Der Gefragte kann letztlich nur Gott sein.

 

Dann kam aber alles anders.

 

Jesus hat nicht erreicht, was er erreichen wollte,

 

obgleich viele Menschen erlebt hatten, dass das zu erreichen ist, was alle nötig haben. Alle haben es nötig, zu können, was sie wollen und zu können, was sie sollen. Wenn das erreicht ist, leben alle im „Reich Gottes“, wie man es damals nannte und auch heute noch sagen kann.

Auch seinen Jüngern hatte Jesus die Fähigkeit – die „Vollmacht“ – gegeben durch Worte die Menschen dazu zu bringen, dass sie werden konnten, was sie werden sollten. Diese „Vollmacht“, die man auch als „Autorität“ bezeichnen konnte, war bei Jesus nicht zu übersehen.

 

Darum wollte ihn die „Regierung“ loswerden

 

Das Volk der Juden lebte ja nicht in einer Demokratie, sondern in einer Theokratie. In einer Demokratie bestimmt das Volk durch Wahlen, wer sie regieren soll. In einer Theokratie ist Gott der „Herrscher“. (Der Elohim heißt das in der hebräischen Sprache). Die Parteinen in der Theokratie der Juden waren damals die Pharisäer und die Sadduzäer. Sie waren politische Gegner. Regierungschef war der „Hohe Priester“ und die Minister bildeten den „Hohen Rat“.

Der Vorwurf, den die Parteien Jesus machten hieß: Er macht sich zum Sohn Gottes. Er lästert Gott. Er stellt sich an die Stelle Gottes. Sie suchten immer wieder eine Gelegenheit ihn zu verhaften, aber sie hatten Angst vor Demonstranten aus dem Volk.

Dann aber hat Judas der Regierung einen Weg gezeigt, wie sie mit Jesus „kurzen Prozess machen“ können. Sie sollen ihn am späten Abend festnehmen und noch in der Nacht vor Gericht stellen. Dann sollten die Besatzungsmächte, die Römer, das Todesurteil bestätigen und dann „an Kreuz mit ihm“. So wäre die Sache aus der Welt. So dachten sie.

 

Doch dann kam wieder alles anders

 

Jesus ist am Kreuz gestorben und einige seiner Jünger haben ihn in ein neues Felsengrab gelegt. Alles musste sehr schnell gehen, weil der Sabbat bevorstand, an dem man nichts machen durfte.

Außerdem war dieser Sabbat ein hoher Festtag. Es wurde das Pas-chafest gefeiert. Das war der Gedenktag an die Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft in Ägypten.

Darum gingen die Frauen unter den Jüngern Jesu früh morgens nach dem Sabbat, um das Grab zu pflegen. Das Gab war leer. Vor Schreck liefen die Frauen weg. Als sie erzählen, Engel hätten ihnen gesagt, Jesus sein „auferstanden“, hat ihnen das kein Mensch geglaubt. Denn wer tot ist, kann nichts mehr machen.

Die Jünger hielten sich erst einmal versteckt, weil sie Angst hatten, auch verhaftet zu werden. Was sie in dieser Zeit gedacht und besprochen haben, wird uns in der Heiligen Schrift nicht genau berichtet. Aber dass sie enttäuscht waren und ratlos obendrein, dürfte wohl klar sein. Immerhin waren sie dadurch mit allem beschäftigt, was sie erlebt hatten.

Sie hätten auch nach Hause gehen können, wie die „Emmausjünger“. Aber was sie von Jesus gehört und was sie mit ihm erlebt hatten, war mehr, als dass sie nur ein Wissen darüber im Kopf hatten. Es steckte mehr dahinter. Aber wie sind sie „dahinter gekommen“?

 

Wir sind die Jünger darauf gekommen, dass Jesus nicht vom Tod festgehalten wurde?

 

Die Evangelisten sprechen von der „Erscheinung“ des Auferstandenen Jesus. Was meinen sie damit? Wir lesen in diesen sogenannten „Auferstehungsberichten“, dass Jesus ihnen „zur Erscheinung gebracht“ wurde.

Das heißt zunächst einmal nicht, dass Jesus unvermutet wieder „auftaucht“ und ihnen ihre Verblüffung und Angst vor Gespenstern nimmt. Dann sagt er ihnen, sie sollen in Jerusalem bleiben, weil sie dort den „Heiligen Geist empfangen“ werden – und dann verschwindet er wieder. In diesem Sinne, dass man Jesus hätte fotografieren können, ist Jesus nach seinem Tode nie wiedergekommen. Es hätte auch nicht viel gebracht.

Die Jünger konnten jetzt, wo sie keinen Umgang mit Jesus mehr hatten, erleben, was durch den jahrelangen Umgang mit Jesus bei ihnen geschehen ist: Sie konnten jetzt auch durch ihre Worte Menschen dazu verhelfen, dass sie werden konnten, was sie werden sollten. Früher hatten sie selbst erlebt, wie Jesus mit seinen Worten „Wunder wirkte“, wie man so sagt. Jetzt zeigte sich bei den Jüngern etwas Vergleichbares. Während der ganzen Zeit, in der sie mit Jesus zusammen waren, hatten sie mehr „mitbekommen“, als sie zunächst wissen konnten. Sie wurden ja nicht zufällig „Jünger“, „Schüler“ oder „Menschenfischer“ genannt. Denn sie sind durch den Umgang mit Jesus geworden, was sie werden sollten: Beauftragte, Mitarbeiter. Apostel bedeutet im Griechischen dasselbe. Sie mussten können, was Jesus auch konnte. Und nun mussten sie es zeigen. Und hätten sie das nicht gekonnt, wäre die „Auferstehung“ Jesus nur so verstanden worden, dass er nach seinem Kreuzestod noch einmal „vorbeigeschaut“ habe und nach vierzig Tagen sei er „in den Himmel aufgefahren“. Und das war es dann.

Und wenn man das alles glaubt, kommt man auch „in den Himmel“. Wenn es nicht um mehr ginge, als das, was die Leute sich so denken, wenn sie die Auferstehungsberichte hören, braucht man sich nicht zu wundern, dass das heute keinen mehr interessiert. „Auferstehung von den Toten“ meint keine Wiederbelebung eines Menschen, der gestorben ist. Auferstehung bezeichnet ein Zusammenleben, das besser nicht sein kann, weil die Menschen immer neue Lebensmöglichkeiten entdecken und in Übereinstimmung verwirklichen können. Das Gleiche ist mit „Reich Gottes“ gemeint.

 

Auferstehung von den Toten bedeutet,

dass die Menschen sein können,

was sie sein sollen

 

Tot zu sein, heißt, nicht mehr zu können, was man will. Das Gegenteil wird mit „Auferstehung“ bezeichnet. Denn weil die Menschen so leben können, wie sie leben sollen, müssen sie das ja auch wollen. Aber zu können, was man soll, ist nur durch den anderen möglich, den das interessiert, dass man es kann. Darum schreibt der Apostel Paulus nicht: Ihr werdet mit Christus auferstehen, sondern ihr seid mit Christus auferstanden.

 

Am Können zeigt sich, wer die Menschen sind

 

Sie sollen so leben können, dass nichts daran auszusetzen ist. Wie sieht das aus? Sie sollen so miteinander umgehen, dass jeder das Gute für den anderen so tut, dass der andere es wenigstens auch kann oder sogar noch besser. Das nennt man Nächstenliebe, weil mehr nicht möglich ist.

Man kann es auch so sagen: Die Menschen kommen im Leben nur weiter, wo sie einen Sinn finden. Sinn ist das Gute, das noch nicht da ist, aber kommen muss, weil sonst alles aufhört. Es hat zwar vieles im Leben einen Sinn. Aber es fehlt auch immer wieder an Sinn. Es gibt auch einen „Sinnverlust“, wenn jemand unheilbar krank wird und stirbt. Aber die Menschen können auch immer wieder zunächst völlig unbekannten Sinn in das Leben bringen. Ein Problem bleibt jedoch. Der Sinn ist immer nur im Augenblick, in den „Situationen“, da und verschwindet wieder. Der Sinn ist also wie vieles andere „vergänglich“. Was aber alle Menschen suchen ist „unvergänglicher Sinn“. Man nennt ihn das „Heil“. Wir sagen und hoffen als Christen, dass ihnen der Sinn im Leben, den sie immer wieder hervorbringen, nicht verloren geht, sondern sich in ihrer Vergangenheit ansammelt und mit ihnen über den Tod hinausgeht. Auch dieses „Sinngeschehen“ gehört zur Auferstehung. Denn sonst müssten wir sagen, alles, was sie Menschen machen, ist wohl notwendig, nützlich und auch angenehm, aber wenn keiner mehr etwas kann und deswegen sterben muss, hat er nichts mehr davon. So denken die meisten Menschen.

 

Auferstehung bedeutet auch, dass die Menschen den Sinn des Lebens nicht im Tod verlieren, sondern behalten und überbieten

 

Es ist eben nach zweitausend Jahren, seit Jesus „auferstanden“ ist, noch nicht gelungen, dass die Menschen seit dem mit ihm „auferstehen“, wo sie vergänglichen Sinn, den sie selbst schaffen, mit dem unvergänglichen Sinn, den Gott dazu gibt, zusammenbringen.

Anders gesagt: Immer wieder tun die Menschen Gutes. Aber es müsste vergänglich bleiben, wenn nicht das unvergängliche Gute, dass wir den Heiligen Geist nennen, immer dazu kommt.

Aber das ist durch die „Auferstehung“ Jesus möglich, wenn die Menschen es so wollen.

Und weil sie davon überzeugt sind, feiern sie es zu Ostern und an jedem Sonntag.

 

Kurz gesagt:

Die Christen feiern Ostern, weil Gott sein göttliches Menschenleben, das anders ist als wir es haben und kennen, an alle Menschen verschenkt, so dass sie im Umgang mit einander ein Zusammenleben schaffen können, an dem deswegen nichts auszusetzen ist, weil immer neuer Sinn von ihnen hervorgebracht werden kann und sie damit einverstanden sind.

Diesen Umgang der Getauften nennt man auch konstitutiv. (Das ist das Gegenteil von destruktiv). Das Ergebnis ist die Kommunikation. Sie ist die gegenseitige Erschließung und Vergegenwärtigung der menschlichen Personalität. Der Grund dafür ist die Freiheit des Menschen. Konstitutive Freiheit ist das Geschenk des Auferstandenen. Auch sie wird zu Ostern gefeiert, weil es ohne sie keine Auferstehung geben kann

 

In keiner anderen Religion wird das gesagt, weil es niemand erfahren hat.

 

 

 

 

20.4.19 09:07


Was Christen über den Tod denken

 

1. Was ist mit Tod gemeint?

Insofern wir an den Tod denken, geht uns nur im Wissen etwas auf. Insofern wir den Tod erfahren, ist es zunächst der Tod eines Anderen. Unser eigener Tod ist uns verborgen. Wir haben ihn noch nicht erfahren und wir wissen deshalb nicht, wie unsere Bewusstseinsverfassung sein wird, wenn wir vom Tod ergriffen werden.

Nur so viel wissen wir: Wenn wir nicht mehr können, was wir wollen, sind wir gestorben. Mit unserem Wissen stehen wir der Wirklichkeit gegenüber, mehr oder weniger fern. Wenn die Wirklichkeit jedoch in unser Leben eingreift, ist alles anders als vorher.

Nun haben schon früher viele gefolgert: Wenn man eines Tages nichts mehr kann, kann man nicht einmal mehr wissen, dass man überhaupt gelebt hat. Der Tod sei darum das völlige Erlöschen des Bewusstseins. Er bewirkt die unwiderrufliche Vernichtung des Menschen. Deshalb „geht er uns nichts an“, weil wir einmal nicht mehr sind. Es sei unsere Einbildung, die unserem eigenen Tod eine Bedeutung beimisst. Nur der Tod eines Anderen bereitet uns Schmerzen.

 

 

2. Was führt zum Tode?

Kurz vorweg gesagt: Die Macht der Negativität, die allgegenwärtig ist und letztlich nicht mit sich handeln lässt.

Die Menschen leben im Wirkbereich zweier gegen einander wirkender Mächte. Mächte sind Kräfte, die von ihrer Wirkung her verschieden benannt werden. Symbolisiert werden sie allgemein durch Licht und Finsternis, Leben und Tod.

Die eine Macht wird u.a. als „Positivität“ bezeichnet, die andere als „Negativität“. Die Positivität ist das Erste und kommt in zweifacher Weise vor. Sie ist einerseits unbedingt (absolut notwendig), andererseits bedingt und muss darum nicht notwendig sein. Die Wirkung der Positivität kommt zum Vorschein in allem, was ist und weiterwächst. Die Negativität kann erst zur Wirkung kommen, wo Positivität ist. Unbedingte Positivität kann die Negativität jedoch nicht erreichen.

Anders gesehen: Es gibt zwei radikal verschiedene Wirklichkeiten. Die eine Wirklichkeit muss sein und kann nicht nichtsein. Sie wird mit verschiedenen Worten bezeichnet. In der Philosophie meistens als das absolute oder unendliche Sein. In der religiösen Welt als „Gott“. Demgegenüber gibt es eine Wirklichkeit, die nicht sein muss aber tatsächlich ist. Sie wird in der Philosophie kontingentes oder endliches Sein genannt. Sie ist im Dasein zu finden oder sie wird allgemein als Welt bezeichnet.

Zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit liegt eine prinzipielle Grenze. Diese Grenze wird von der Negativität gezogen. Auf jeder Grenze liegt die Negativität als „ruhende Macht“. Innerhalb der Grenze liegt immer endliche Positivität. Wenn die begrenzende Macht der Negativität wirkt, weitet sie sich gewissermaßen aus und verzehrt endliche Positivität. Auf die Unendlichkeit kann die Negativität nicht einwirken. Denn sie ist selbst eine endliche Macht. (Darum heißt es in der Bildsprache des 1. Johannesbriefes: „Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm&ldquo.

 

3. Die Erfahrung des Sterbens anderer

Was so im Denken erscheint, ist eine „begriffliche“ Erscheinung der Wirklichkeit. Ihr stehen wir gegenüber. Im Denken gehen wir auf Distanz zur Wirklichkeit. Wir objektivieren sie und sind nicht von ihr „betroffen“. Wenn die Wirklichkeit jedoch über das Denken hinaus in unser Bewusstsein gelangt, sind wir „affiziert“. Die Affekte sind unsere Reaktion auf die erfahrene Wirklichkeit. Durch Affekte erfahren wir die Wirklichkeit, die auf uns einwirkt, auf unsere Art und somit unmittelbar und vehement. Also anders, als dass wir sie nur erkennen. Affekte sind immer unmittelbar gegenwärtig und haben ihr eigentümliches Gewicht. Sie werden auch mit der Temperatur verglichen. Darum sprechen wir vom Temperament. Die Affekte sind der Nachweis dafür, dass eine Wirklichkeit auf uns eingewirkt hat, sei es positiv, etwa in der Gestalt der Freude und Begeisterung oder negativ in der Form von Trauer und Kummer. Affekte verhalten sich zu unserer Erkenntnis wie das gesprochene Wort zu Gedanken.

 

Die „affektive Konstitution“ ist bei jedem Menschen anders. Sie ist seine Gefühlswelt. Sie zeigt ihm, wie er „sich“ in der Welt „vorkommt“. Man kann sie mit Landschaften vergleichen. Immer zeigen sich in unserem Gefühl Richtungen des Bewusstseins: Dafür oder dagegen, Zuneigung oder Abneigung. Dass die Affekte, bzw. Gefühle auch Maßstäbe setzen, ist keine Frage. Fraglich ist nur, ob sie allein aus dem Gefühl stammen oder aus anderen Bereichen unseres Bewusstseins, wie Vernunft, Verstand, Urteilskraft, Wille und Freiheit, die alle ihren Beitrag zu unserer Bewusstseinsverfassung leisten.

Über das Zusammenspiel von Affekten (Gefühlen) und psychischem und geistigem Bewusstsein, soll an anderer Stelle etwas gesagt werden. Hier soll es ja um die Antwort gehen: Was führt zum Tode?

 

Die erste Gabe an alle Wesen ist die Kraft. Das ist die Fähigkeit (Potential), dasein und bleiben zu können, sich behaupten zu können. Alle endlichen Wesen sind in den Wirkbereich der Negativität hineingestellt. Sie sind insofern ins „Nichts ihrer selbst“ geschaffen. Sie wie Licht Finsternis. Sie ist allgegenwärtig. Da Mächte nicht zögerlich, sondern entschlossen wirken, (gr. „en-ergisch“; daher „Energie“ = Wirkkraft), ist die Negativität auch überall wirksam. Sie bewirkt Vergänglichkeit, weil sie immer endliche (positive) Kraft verzehrt. (In der Natur haben wir dadurch das Gesetz der Entropie: Alle Energiezustände gehen auf den „absoluten Nullpunkt“ zu). Sie wird jedoch an der fortgesetzten Aus-wirkung gehindert, solange die Positivität ihr Widerstandskraft entgegensetzen und sich somit „behaupten“ kann. Kommt zu einer vorhandenen Wirklichkeit immer mehr Kraft hinzu, so wächst sie. Kommt aber immer mehr negative Kraft hinzu, so vergeht sie. Das lässt sich überall feststellen.

 

4. Der Tod durch Vergehen der vergänglichen Kraft

Beobachten wir nun die Menschen in ihren verschiedenen Lebensweisen, wo sie von der Negativität angegriffen werden.

Unterscheiden wir bei den Menschen Natur und Person, so ist der Angriff der Negativität an ihrer Natur sofort festzustellen. Die Kraft zum Handeln liegt überwiegend im Willen und wenn dort Kraft hinzu kommt, kann der Mensch, was er will. Dieser Übergang vom Wollen zum Können ist auf das unablässige Wirken Gottes zurückzuführen. Denn von ihm muss der Überschuss an Kraft kommen, der dem bloßen Wollen fehlt. Anderenfalls könnte jeder alles, was er will. Es wird aber bedenkenlos für „normal“ gehalten, dass dieser Überschuss an Kraft ständig eintrifft.

Die physische Natur wird von der Medizin als komplexes System bezeichnet. Viele Organe und Funktionen müssen ordnungsgemäß zusammenwirken, damit der Mensch gesund oder „heil“ ist. Ist die Zusammenwirkung durch das Wirken der Negativität gestört, so ist der ganze Mensch gestört. Er „hat“ nicht nur eine Krankheit, sondern er „ist krank“. Er ist ja ganz Natur und hat nicht nur eine Natur. Krankheit sehen die Mediziner als eine Störung oder teilweise Entkopplung der Systeme an. Zwar gelingt es den Ärzten oft, vorhandene physische Kraft wieder so zu lenken, dass die Systeme erneut zusammenwirken und der Kranke gesund wird, aber die Negativität verzehrt im Laufe der Zeit immer mehr an vitaler Kraft. Wenn die vitale Kraft aufgezehrt ist, stirbt der Mensch. Die physischen Systeme sind unwiederbringlich entkoppelt. Nicht einmal mit vitaler Kraft kann man einen Kranken oder Sterbenden „beliefern“.

 

Mit der psychischen Natur ist alles viel komplizierter und problematischer. Problematisch ist alles, was mit der „Umsetzung“ vom Wollen zum Können zusammenhängt. Wenn die psychischen Systeme, die überhaupt nicht alle bekannt sind, durch die Negativität auch nur gelockert sind, (man sagt recht anschaulich: „Da ist eine Schraube locker&ldquo, ist weithin keine Wiederherstellung (lat: Re-paratur) zu erreichen. Denn die psychische Natur verbindet die physische Natur mit der geistigen Natur des Menschen, von der aus eigentlich der ganze Mensch zusammengehalten werden sollte, also „heil“ sein sollte. Aber auch in der geistigen Natur wirkt die Negativität. Jedoch mit ganz anderen Folgen. Diese haben nicht nur auf die Natur des Menschen selbst nachteilige Auswirkungen, sondern auf seine Person. Der Tod der Person ist nur in der religiösen Welt von Interesse. Während der Tod der Natur des Menschen in gewisser Weise als „natürlich“ bezeichnet werden kann, weil er nicht mehr kann, was er will, so ist der Tod der Person ein unvergleichlich größeres Übel. Während der Tod der Natur den Menschen überkommt oder überfällt, zieht er sich den Tod der Person selbst zu. Er lässt sich zu einem Regress verführen. Wie ist das zu erklären?

 

5. Der eigene Tod durch Selbstbegrenzung

Schon an ihrer Natur erkennen die Menschen, dass sie Wesen des Prozesses sind. (lat. pro-cessio = Fort-schritt). Die Negativität kann einen Regress (Rück-schritt) bewirken. Durch seinen Willen „zu etwas“ ist jeder am Prozess interessiert. Die Richtung des Lebens ist also die Richtung der Positivität, obgleich die Negativität immer „im Wege steht“.

Es ist das Schicksal des Menschen, dass er einerseits von seiner Natur bestimmt ist und andererseits sich von seiner Person her selbst bestimmen kann. Er muss entscheiden, wer „Herr im Hause“ sein soll: Seine Natur, dann ist er ein Naturalist. Oder seine Person, dann ist er ein Personalist und steht dadurch vor unlösbaren Schwierigkeiten, vor sogenannten Aporien. Deshalb steht ein Personalist auf aussichtslosem Posten. Der Aussichtslosigkeit ist nur durch absolute Hoffnung zu bestehen.

 

Durch seine Natur steht der Mensch vor begrenzten Möglichkeiten, die er zum Teil verwirklichen kann. Aber seine Lebenszeit ist durch die Negativität begrenzt. Als Person steht er vor unermesslichen und somit unbekannten Möglichkeiten. Möglichkeiten sind verborgene Wirklichkeiten außerhalb unserer selbst. Als sogenannten Potentiale liegen sie in uns. Sie können Wirklichkeit werden, wenn fehlende Kraft hinzukommt. Ist der Mensch als Person das Wesen unermesslicher und unbekannter Möglichkeiten, so heißt das zunächst auch nur, dass sie alle in der Vergänglichkeit liegen, also in der Welt. In der Welt aber herrscht, die Negativität und setzt dem Dasein ein Ende. Das Ende im Dasein ist der Tod. Ob jedoch die absolute Positivität, der der Tod nichts anhaben kann, auch in der Welt zu finden ist, so dass der Tod nicht alles an sich reißen und entmächtigen kann, ist die Ursprungsfrage aller Religionen. Naturalisten haben den religiösen Fragen von vornherein den Abschied gegeben. Der Personalist aber stellt die Frage, über die hinaus er keine radikalere Frage stellen kann: Wer soll ich sein und zwar immer und überhaupt? An wen aber richtet er die Frage? Doch nur an den, der sie beantworten kann. Die meisten Menschen um uns herum sagen unbefangen: „Das wissen wir nicht. Wir müssen es selbst bestimmen.“ Praktisch heißt das, wir müssen ausprobieren, was sich machen lässt. Auch die Pragmatiker sind Naturalisten.

Nun gibt es aber nicht nur das Wissen in der Welt, das die Menschen sich selbst erschlossen haben. (Die Bibel nennt diesen Vorgang „Sehen“. Denn das kann jeder allein). Es gibt auch ein Wissen und vor allem ein Können, aus dem dieses Wissen gewonnen worden ist, das zu den Menschen gekommen ist. Es ist ihnen „widerfahren“. Sie haben gewissermaßen „gehört“. Hören ist ja nur möglich, wenn ein anderer spricht und dadurch etwas mitteilt, was man nie zu Bewusstsein bekäme, wenn der Andere nur schweigen würde.

 

Als Person fragt der Mensch also: Wer soll ich immer und überhaupt sein? Das interessiert mich „unbedingt“, also nicht nur „unter Umständen“. Wenn es darauf aber eine Antwort geben soll, kann sie nur von Gott kommen. Denn die Antwort besteht ja in dem, was ich sein soll und deswegen auch sein können muss. Die „Frage nach Gott“ ist zwar einfach zu formulieren, aber die Antwort muss nicht nur verstanden werden, sondern verwirklicht werden. Sie „steht noch aus“. Darum ist sie die Frage nach der „Existenz“ des Menschen, nach dem, was noch „draußen“ steht.

Die Natur des Menschen fragt nach dem Dasein, nach dem Hier und Jetzt, wie man in der Welt leben kann. Der Naturalist ist nur am Dasein interessiert. Als Person kann der Mensch nach dem Leben fragen, das nicht vergeht, weil er nach dem „Immer und Überhaupt“ gefragt hat. Der Personalist fragt also über die Natur und dadurch auch über den Wirkbereich des Todes hinaus. Denn der Tod kann keine über die Endlichkeit hinausgehende Macht sein. Er kann die Unvergänglichkeit nicht angreifen. Licht kann die Finsternis vertreiben, aber nicht umgekehrt. Es besteht also immer die Möglichkeit über den Tod hinaus zu fragen. Dann aber darf man sich nicht selbst die Antwort geben und sagen: Mit dem Tod ist „alles aus“. Diese Selbstbegrenzung ist lebensgefährlich, weil man dem Gerücht, was der Tod uns aufdrängen kann, Glauben schenkt und alle Hoffnung begräbt. Wer nichts hofft, was über die Vergänglichkeit hinausgeht, überlässt sich der Negativität. Er zieht sich den Tod der Person zu, bevor er gestorben ist.

 

Wenn wir aber unseren Verstorbenen die Hoffnung absprechen, haben wir uns zugleich von jeder Hoffnung losgesagt. Denn wir können nicht für uns hoffen, was wir für den Anderen nicht hoffen. Die unbedingte Hoffnung aber ist auch an der unbedingten Erfüllung interessiert. Anderenfalls wäre alles Schwindel. Unsere Trauer wäre nur lästige Sentimentalität. Wir müssten nichts dagegen haben, wenn sie wieder verschwindet. Aber obgleich uns die Trauer von unserer Natur her überkommt, trauert nicht unsere Natur, sondern wir selbst. Was geht da in uns und mit uns vor?

 

Trauer ist die Erfahrung des anhaltenden Verlustes an Kraft. Diese Erfahrung ergreift uns ganz, weil uns nicht nur die physische Kraft fehlt. Dann wären wir nur müde, sondern auch die psychische Kraft. Ohne sie hätte die geistige Kraft kein Zuhause. Wir sind wie gelähmt und können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Negativität breitet sich aus wie die Nacht. Die Trauer könnte alle unserer Kraft verzehren. Wir müssten vor Kummer vergehen, wenn wir keine Kraft fänden, die nicht von der Negativität verzehrt wird. Trauer wäre der Anfang des Sterbens von innen her, wenn sie nicht aufhören könnte.

 

 

5. Die Kraft der Person

Die Kraft der Person wird unmittelbar bewusst durch ihr Wirken. Dieses Wirken heißt in der Philosophie (und in anderen Sprachen) Affirmation, in unserer Sprache Bejahung.

Könnten wir alles bejahen, wären wir für die Negativität unangreifbar und unbesiegbar. Wir wären nicht zu erschüttern.[1] Könnten wir nichts mehr bejahen, wären wir zu nichts mehr fähig. Alles, wozu wir eine Beziehung oder ein Verhältnis haben, steht und fällt mit unserer Bejahungskraft. Die Bejahungskraft ist die Kraft der Person und wirkt sich auf den ganzen Menschen aus. Die Affirmation ist gewissermaßen das unmittelbar erfahrbare Wirken der Positivität. Entsprechend ist die Negation das Wirken der Negativität.

Wenn ein Mensch alles negiert (leugnet, verwirft, nicht hofft, resigniert, desinteressiert ist), was über das Dasein hinaus für ihn zur Geltung kommen soll, zieht er sich den personalen Tod zu. Denn Tod heißt auch immer Verhältnislosigkeit. Ein Ver-hältnis muss von beiden Seiten konstituiert werden. Deshalb kann man es auch von einer Seite her abbrechen, wie eine Brücke. Die Verhältnislosigkeit gegenüber Gott heißt im Dasein Sünde und auf der Grenze des Daseins Tod. Wenn für einen Menschen das Dasein das Ganze sein soll, schließt er „mehr als Dasein“ für sich aus. Im Dasein aber herrscht der Tod. Er „entmächtigt“ den Menschen im Hinblick auf das Leben im Dasein. Die Negativität hat den Menschen schon vor seinem Ableben „entzweit“. Natur und Person können von der Negativität entkoppelt werden. Dabei bleibt es, wenn der Mensch die Frage: Wer soll ich immer und überhaupt sein? nicht mehr stellt. Denn was er sein soll, kann er nicht mit sich abmachen. Was er mit sich selbst abmachen kann, ist das, was er sein will, soweit und solange er es kann. Der Tod stellt zwar alles in Frage[2], aber deswegen muss es auch eine Antwort geben, die nicht im Wissen besteht, sondern im Können. Wenn Seinkönnen und Seinsollen identisch sind, ist der Mensch „auferstanden“. Wer sein kann, was er sein soll, kann vom Tod nicht mehr ergriffen werden.

 

 

 

Tod und Auferstehung

Tod im Dasein oder natürlicher Tod besagt: Der Mensch kann nicht mehr sein, was er mit endlichen Kräften sein will und sein kann.

Tod der Person besagt, dass der Mensch nicht ist, was er sein soll, weil er es nicht sein wollte. Dieses nicht Sein-wollem, ist nicht auf fehlende affirmative Kraft zurückzuführen, sondern auf die Richtung dieser Kraft. Die Kraft der Person befähigt zur Selbstbestimmung. Die Selbstbestimmung kommt der Freiheit zu. Sie ist gewissermaßen der „Wille“ der Person, durch den der Mensch ergreifen kann, was noch nicht bei ihm ist, oder tun kann, was er noch nicht tun konnte. Der Wille zum Leben im Dasein liegt in der menschlichen Natur.

Der Mensch kann also mit der affirmativen Kraft der Person sich auf das Dasein beschränken und festlegen. Das ist dann seine Entscheidung.[3] Dann hat sich der Negativität im Dasein ausgeliefert. Und dabei bleibt es, weil mehr als das Dasein für ihn nicht in Frage kam. Das ist der „ewige Tod“ oder „Sündentod“.

Demgegenüber wird alles, was der Mensch über die Möglichkeit des personalen Todes hinaus verwirklichen kann, als „Auferstehung“ bezeichnet. Das ist also kein „Weiterleben“ nach dem Tode. Denn das kommt allen Geistwesen zu. Wie kommt Auferstehung zustande?

 

Es muss unabhängig davon, ob es Menschen auf der Erde gibt, ein authentisches Menschsein in Gott geben, den Gottmenschen.

Weil Gott eine sich mitteilende Wirklichkeit ist, kommt in seiner Selbstmitteilung auch der Adressat und mögliche Empfänger vor. Das sind die Menschen. Deswegen gibt es Menschen.

Ein Mensch kann aber nur insofern zum wirklichen Empfänger des Menschseins Gottes werden – also dieses Menschsein sich wirklich zu eigen machen – wenn Gott die Fähigkeit zur Annahme seines unvergänglichen Menschseins mit seiner Selbstmitteilung zugleich im Menschen hervorbringt. So gesehen ist der Mensch nicht zuerst dem Tode ausgeliefert und wird dann vor dem „ewigen Tod erlöst“, sondern das Menschsein Gottes ist in jedem Menschen gegenwärtig und befähigt ihn, in das Menschsein Gottes hineinzuwachsen, so dass der Mensch sich schon derart selbst verfälschen muss, dass er vom Menschsein Gottes „abfällt“.

 

Gott will mit seiner Selbstmitteilung an die Menschen jeden zu dem befähigen, was ihm am meisten fehlt, nämlich ein Miteinander hervorzubringen, an dem nichts auszusetzen ist, weil alle immer wieder zu neuer Übereinstimmung finden.

Was aber muss sich dann in den Menschen ereignen, damit sie fähig werden, ein solches Zusammenleben zu gestalten? Sie müssen ihre Fähigkeiten alle aus dem selben Grund empfangen. Diese Quelle muss das Menschsein Gottes sein.[4] Wie aber kommt man an diese Quelle? Das kann nur beantwortet werden, wenn man an ein Verhältnis unter Personen denkt. Es ist also zu fragen: Welchen Sinn hat ein Verhältnis unter Personen und wie kommt es zustande?

 

Tod bedeutet immer totale Unfähigkeit und Verhältnislosigkeit. Folglich kann ein Leben „gegen den Tod“ nur mit den besten Fähigkeiten verwirklicht werden. Die Gesamtheit der besten Fähigkeiten wird als Liebe bezeichnet. Sie ist eine konstitutive Fähigkeit.[5] Die Liebe zeigt sich nicht in einer fraglosen Anhänglichkeit, sondern in der Fähigkeit, dem Anderen eine Zukunft zu eröffnen, die er selbst sucht, aber allein nicht erreichen kann. Es geht also immer um ein Miteinander, in dem neue Lebensmöglichkeiten entdeckt und verwirklicht werden sollen.[6] Deswegen kann niemand den Tod eines Menschen hinnehmen, zu dem er ein Verhältnis hat. Denn der Andere war nicht nur ein Lebensgefährte, sondern er hat konstitutiv auf das Zusammenleben eingewirkt.[7]

Die konstitutive Fähigkeit des Menschen oder die Liebe des Menschen ist das Wirken Gottes. Anderenfalls wäre alles Unvermögen im Zusammenleben eine Art Krankheit, die letztlich zum Tod des Zusammenlebens führen müsste. Den Tod des Zusammenlebens, den sozialen Tod, gibt es ja auch.

 

Demgegenüber sprechen wir deswegen von Auferstehung, weil Gott durch sein Menschsein, durch Christus, die Menschen zu dem befähigt, was sie selbst nur können, wenn sie diese Fähigkeiten zur Solidarisierung aus demselben Grund empfangen. Diese Fähigkeit bekommen sie nicht verordnet, sondern sie müssen sie selbst wollen und durch ihr Können zur Wirkung bringen. Dieser mühevolle Übergang vom Wollen zum Können dessen, was der Mensch sein soll, wird Selbstkonstitution genannt.[8] Was jemand sein soll, muss er ja auch sein wollen, weil anders keine Übereinstimmung möglich ist. Aber wie soll jemand sein können, was er sein soll, wenn der Andere, dessen Wollen das Sollen zu erkennen gibt, das Können nicht bewirkt? Gott konstituiert den Menschen dazu, sein zu können, was er sein soll. Das nennt man das Wirken oder den Willen Gottes. Das Ergebnis ist auf Seiten der Menschen immer Verwirklichung eines unvergänglichen Lebens. Das ist Auferstehung. Sie hört nie auf.

 

Da Gott seine Selbstmitteilung nicht beendet, konstituiert er den Menschen in seiner Person fortwährend. Auch wenn er stirbt, hört diese Konstitution nicht auf, sondern kommt ungehindert zur Wirkung. Denn wenn der Mensch nicht mehr kann, was er will, aber sein will, was er sein soll, kann ihn keine Negativität mehr hindern, sein zu wollen, was er sein soll.

 

Der sterbende Mensch entfernt sich als Person von der Negativität, während dieselbe Negativität seine Natur im dem Dasein vergehen lässt. Sagen wir statt Negativität Tod, so heißt das: Im Sterben kommt der Mensch Gott „näher“ als je zuvor, weil er dem, was er sein soll, immer näher kommt. Seine Natur kann ihn nicht mehr „determinieren“, also auf ein Leben festlegen, das an die Bedingungen gebunden ist, die im Dasein gelten.

 

Können die Verstorbenen „arme Seelen“ sein?

Arm zu sein heißt, weder im ausreichenden Maße zu können, was man will, geschweige denn zu können, was man soll.

Da man Jahrtausende hindurch die Sündigkeit der Menschen betont hat, konnte man sich nur vorstellen, dass er auch lange über sein Sterben hinaus, Sünder bleibt. Die Unterscheidung von Natur und Person war kaum jemandem einsichtig. Folglich war man sehr besorgt, alles zu tun, was für das „Seelenheil“ eines Verstorbenen überhaupt denkbar war, angefangen von „Totenmessen“ bis zur „Gräbersegnung“. Ob man einem Verstorbenen, der dem, was er sein soll, näher ist, als je zuvor, etwas nachreichen kann, war eine kränkende Frage. Die „Gnade Gottes“ wurde funktional verstanden und könnte deswegen von den Lebenden für die Verstorbenen „aufgeopfert“ werden. Die Lebenden verzichteten also großmütig auf die Gnaden, die sie „empfangen“ hatten und übergaben sie den „armen Seelen“. Zwar weiß niemand, in wieweit ein Verstorbener schon ist, was er sein soll.[9] Aber Gott ist bei den meisten Mensch durch die Mitteilung seines Menschseins nicht so „erfolglos“, dass nur „arme Seelen“ bei ihm ankommen, die er erst dann dazu bringen kann, sein zu wollen, was sei sein sollen, wenn sie gestorben sind, weil sie dann endlich kein Interesse daran haben, zu sündigen.

 

Ein Verstorbener hat uns, die wir noch in der Vergänglichkeit des Daseins leben, mit Sicherheit etwas voraus. Wenigstens objektiv hat das Unvergängliche ein Übergewicht gegenüber der Vergänglichkeit. Anderenfalls müsste er noch einmal sterben. Anders gesehen: Die unvergängliche Positivität Gottes – das ewige Licht – leuchtet in die Finsternis der Negativität des Todes. Das konstitutive Wort Gottes: „Ihr seid das Licht der Welt“, ist unumkehrbar wirksam und lässt die Menschen, die gestorben sind, sein, was sie sein sollen. Darum müsste es nicht heißen: „Das ewige Licht leuchte ihnen“, sondern „das ewige Licht (Gott selbst) leuchte uns durch sie.“ Denn wenn unseren Verstorbenen nichts „fehlt“, weil sie sind, was sie sein sollen, dann sind sie alles andere als „arme Seelen“, sondern eher unsere Lebensberater. Deshalb müssen wir nicht für sie beten, sondern zu ihnen beten und dabei hinhören auf das, was sie uns zu sagen haben. Denn wir wissen bei vielen Gedanken, die wir noch nicht haben, nicht, ob wir sie gefunden haben oder ob sie uns mitgeteilt worden sind. Es ist sicher, dass viele Gedanken zu uns kommen, auf die wir nur kommen konnten, weil andere sie uns mitgeteilt haben. Denn unsere Verstorbenen kündigen ihr Miteinander mit uns nicht auf. Inwieweit sie auf unser Bewusstsein einwirken, können wir nicht klar erkennen, weil wir der Individualität den Vorrang gehen. Unser Selbstbewusstsein ist uns näher als das „Hören“ auf das, was vom Anderen ausgeht.

 

Aber auch wir können unser Verhältnis zu unseres Verstorbenen nicht aufkündigen. Daran hindert uns die Trauer. Das ist der unmittelbare Zweck der Trauer. Wir können sie auch nicht abschütteln. Aber sie hört auf durch das konstitutive Wort des Auferstanden: „So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.“ (Joh 16,22)

 



 



[1]    Auch im „Paradies“ wären die Menschen gestorben. Aber sie hätten immer einen Überschuss an affirmativer Kraft gehabt, so dass die Negativität, die es auch dort hätte geben müssen, sie nicht hätte erschüttern können. Sie hätten nicht getrauert, weil ein Verstorbener ihnen mit Sicherheit das hätte voraushaben müssen, was den Menschen im Dasein noch fehlt.

[2]   In Wirklichkeit ist es Gott selbst, der durch den Tod das Leben der Menschen so deutlich in Frage stellt, dass der Mensch immer an einer Antwort, die ihm nicht der Tod geben soll, interessiert sein kann. Das ist gewissermaßen die „List“ Gottes, die Menschen durch die Erfahrung des größten Widerspruchs zum Leben für die größten Alternative zu interessieren.

[3]   Eine Entscheidung muss von einer Wahl streng unerschieden werden. Durch eine Entscheidung bestimmt sich der Mensch selbst, so dass er die Antwort auf die Frage: Wer soll ich sein? – das ist die Gottesfrage – sich die Antwort nicht geben lassen will, sondern sie selbst gibt. Diese Selbstdetermination ist ebenso eine Angelegenheit der Lebensgestaltung in der Zeit, wie die Selbstkonstitution, die wir als Gebet bezeichnen, wo der Mensch die unbedingten Wahrheiten ergreift, die ihm sagen, wer er sein soll und wo er in Hoffnung und Geduld darauf bedacht ist, sie verwirklichen zu können.

[4]   Immer haben die Menschen nach einem „einheitsbildenden Grund“ gesucht. Entweder haben sie ein „höheres Wesen“, einen „Gott“, an die Spitze gestellt, der „sich alles unterwirft“ oder sie haben ein „Machtorgan“ geschaffen, dem sich alle unterwerfen müssen. Immer muss es eine Macht sein, die die Vielen zur Einheit führt, aber praktisch immer nur zwingt. Denn Vielheit ohne Einheit ist Chaos. Dem Chaos ist nur zu entkommen, wenn die Vielen sich zur Einheit fügen (lassen). Solche Gefüge nennt man Ordnungen. Eine Einheitsbildende Macht der Menschen aber bringt es nicht weiter als zur „Ordnung ohne Freiheit“, sei es in einer Diktatur oder in einer Hierarchie.

[5]   Konstitution besagt, dass jemand im anderen eine Fähigkeit erwecken oder schaffen kann, die er anders als auf diesem Wege nicht haben kann. So kann niemand ein Verhältnis zu einem anderen haben, wenn der Andere es ihm nicht ermöglicht. Man kann sich keinen anderen Menschen aneignen.

[6]   Es gibt zwar eine Form der Liebe, die aus der Natur des Menschen hervorgeht, aber sie ist naiv und möchte den Anderen bei sich haben. Sie fragt nicht, was sie für den Anderen sein und bleiben soll.

[7]   In diesem Zusammenhang stirbt eine Mutter gewissermaßen mit, wenn ihr Kind stirbt und insofern nicht mehr da ist. Denn sie ist nicht nur affektiv an ihr Kind gebunden und trauert deswegen, weil das Kind nicht mehr da ist, sondern sie hat ihr Kind durch ihre Liebe zu einem Menschen konstituiert, der dadurch auch ein liebender Mensch geworden ist und es anders nicht hätte werden können. Auch das Kind konstituiert seine Mutter zur Mutter je mehr es aus der Kindheitsphase herauswächst und deswegen „kein Kind mehr“ ist. Unter diesem Schmerz leidet die Mutter mehr als andere in der Familie.

[8]   Mit diesem Wort konnten unsere (germanischen) Vorfahren nichts anfangen. Um sie einigermaßen and diese Selbstbildung heranzuführen, hat man dafür das Wort Gebet gewählt. Denn beten kann man nur, wenn man ein Interesse daran hat, dass Gottes „Wille“, also sein immer schon konstitutives Wirken, „geschehe“.

[9]   Hier liegt das große Problem der Verständnislosigkeit. Kurz gesagt: Im Himmel dumm herumstehen, heißt „Fegefeuer“. Denn die meisten Menschen denken nicht im geringsten daran, dass das Verhältnis zu Gott sich als erstes in einem unbestechlichen Realitätsbewusstsein auswirken muss. Deswegen wird in der religiösen Welt maßlos viel dummes Zeug getrieben. Alle, die meinen, das Irrationale sei typisch für ein religiöses Bewusstsein, werden kaum Widerspruch erfahren. Wer dagegen sagt, das von der Vernunft geregelte Realitätsbewusstsein sei unbedingt erforderlich, muss sich nicht wundern, wenn er für ungläubig gehalten wird.

18.4.19 17:16


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