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Das Menschenbild in Gebeten

In unserer Sprache lässt sich die lapidare Formel „Lex orandi, lex credendi“ nicht ebenso lapidar wiedergeben. Sagen wir: Die Gebetsordnung muss der Glaubensordnung entsprechen, so klingt die verordnende römische Verwaltungssprache durch. Fragen wir nach dem zu Grunde liegenden Sachverhalt, so lässt es sich kaum anders sehen, als dass jeder so betet, wie es seinem Glaubensverständnis entspricht. Darum ist zu fragen, ob der Beter unserer Tage in den für die Liturgie vorgegebenen Gebetstexten sein Glaubensverständnis wiederfindet. Der Beter sagt zwar „Amen“ zu Bestätigung der Gemeinschaftsgebete, die als „collectio“ = Zusammenfassung bezeichnet werden und sich deshalb vom „privaten“ Gebt unterscheiden. Doch bleibt zu fragen, ob der Beter in „zwei Welten“ leben kann; einer für alle verordneten und einer privaten.

Jeder Gebetstext kann nur insoweit zum Gebet werden, wie darin die Wirklichkeit Gottes und des Menschen zur Sprache kommt. In Sprache liegt die Wahrheit als Aussage der Wirklichkeit vor. Der Beter geht den Weg der Wahrheit zum Zentrum der Wirklichkeit. Dieses Zentrum ist das Gute. Der Beter ist daran interessiert, dass das Gute, das schon auf ihn einwirkt, bei ihm zum Ausdruck kommt. Schafft die Wahrheit Verständnis für das Gute, so verwirklicht sich der Mensch seinem Verständnis entsprechend.

7.7.20 17:21


Geist Gottes und Geist des Menschen

Sprache ist verleiblichter Geist

Erst durch Verleiblichung hat endlicher Geist sein Dasein. Was außerhalb des Daseins liegt, können wir zum Teil wissen. Aber es ist uns nicht zugänglich. Durch Verleiblichung tritt der Geist gewissermaßen ins Dasein ein. Denn solange niemand seine Gedanken ausspricht, sind sie nicht verleiblicht, sie treten nicht in Erscheinung und in diesem Sinne sind sie für andere nicht da.

Endlicher Geist zeigt sich im Sprechen als begrenzt

Die Begrenztheit kann bis zur „Beschränktheit“ gesteigert werden. Denn viele vergessen zu denken, bevor sie reden. Andere denken nicht mit und merken darum nicht, wie sie  sich für dumm verkaufen lassen. Das nimmt man in Kauf, weil die Unterwerfung unter die Logik als Zwang empfunden wird. Welche Logik wird von den meisten durch Gefühle ersetzt. (Ich finde aber... ). Gefühle sind nur subjektiv eindeutig. Auch wenn sie unsinnig sind. Die Strenge des Begriffes lässt zwar in der Sprache Abstufungen zu, doch nur wegen der Eindeutigkeit (= dies und nichts anderes) des Begriffs. Erst wenn etwas eindeutig ist, kann es in Beziehung zu etwas anderem gesetzt werden: es lassen sich Aus-sagen (Prädikate) machen. Davon lebt die Sprache bis hin zum Humor, wo das Endliche seine „Lächerlichkeit“ nicht mehr verbergen kann.

Grenzen des Sagbaren

Hinter dem Sagbaren bleibt das Schweigen. Es ist eine Verwandte des Sprechens, die auch noch etwas zu verstehen gibt. Es gibt ein Schweigen des Unvermögens, das heilsentscheidend ist. („Darauf wusste er nichts zu sagen.) Und es gibt ein Schweigen des Verzichts, weil auf der Grenze von sagbaren bedingten Wahrheiten, die unbedingte Wahrheit erfahren wird. Für sie gibt es keine begreifbaren Worte, sondern manchmal nur die wortarme Erfahrung. Nur wenigen ist es vergönnt, Bedingtes und Unbedingtes in die Sondersprache der Musik zu fassen. Der Dichter kann wohl nur die Nähe zum Unbedingten durch Worte anzeigen, die um mehr als das wissen lassen können, was ohnehin jeder verstehen kann.

Das bisher Ungesagte in Sprache zu fassen, ist besonderen „Hörern“ vorbehalten. Das sind die Propheten. Sie haben das Unbedingte und Heilige erfahren und sagen in Bildern und endlicher Sprache, was nicht jeder hören will. Wahrheit nimmt nur auf, wer vom Guten schon erreicht ist. Doch „wer nicht hören will, muß fühlen“. Der Fühlende „hört“ sich selbst (seine eigene Wahrheit) und darum kann und braucht man nicht zu ihm zu reden. Das Gefühl nennt ihm sein wahres Befinden. Und das ist wohl überwiegend endlich.

Ist die Sprache das Gefängnis, Tummelplatz oder Weg des Geistes?

Sie hat von all dem etwas an sich. Deshalb ist zu fragen, was das Bedeutsamste an ihr ist, weil sogar der Geist Gottes „um jede Sprache weiß“. Die Antwort ist erst aus der Beantwortung des Anspruchs zu finden, der den sprechenden Gott (seine Offenbarung) voraussetzt.

Der Mensch als Antwortender auf Gottes Wort

„In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde“. (DV 2) Wenn Gott zu den Menschen „spricht“, so macht er keine Worte, sondern gestaltet das Bewusstsein so, dass der Mensch über sich selbst etwas Neues zu sagen weiß, weil er es zu sein und zu tun vermag. Um Neues weiß der Mensch, wenn er sich vor nicht gekannten Möglichkeiten sieht. Bereits die Möglichkeiten geben etwas zu verstehen. Doch im Dasein haben die Möglichkeiten verschiedene und entgegengesetzte Richtungen; zum Guten oder zum Bösen, auf Gott hin oder von Gott weg.

Was dem Menschen zunächst bewusst wird, ist sein Leben im Dasein. Doch das Dasein ist brüchig und vergänglich. Das wird nicht nur (mit dem Verstand) festgestellt, sondern es wird auch von der Vernunft befragt, warum das nicht anders ist, da es doch anders sein könnte.

Was immer den Menschen von dem, was ihnen am meisten fehlt, zuteil werden soll, muss ihnen zunächst bewusst werden. Die Erkenntnis ist das erste und erweist sich in der Sprache. Fehlt dem Menschen die Sprache, ist ihm das nicht zu eigen, was ihn möglicherweise überkommt, überwältigt, aber doch nicht bei sich sein läßt. Was im Bewusstsein des Menschen liegt, muss auch kommunikabel sein. Denn dass Sprache nicht nur in der Gestalt des Denkens, sondern auch als Verlautbarung vorkommt, zeigt, dass sie das Miteinander verwirklicht. Darum ist es nie belanglos, was Menschen sich zu sagen haben.

Betrachtet man den Menschen als Wesen der Wort- und Werksprache, so ist das Woher seiner Sprache einerseits er selbst, andererseits aber auch möglicher Ausdruck dessen, der sich so zur Sprache bringt, dass der Mensch immer neu zu Wort kommen kann.

Sprache als Weitergabe des Geistes

Der Monolog ist Zeichen der Selbstgenügsamkeit und sie ist Un-geist. Sprache, die Sprache auslöst, also den Dialog ermöglicht, ist die Welt des Geistes, so dass Dialogverweigerung „Sünde gegen den Heiligen Geist“ ist, die nicht „vergeben“ werden kann. Der Dialog ist also der Raum des Geistes, den der Geist Gottes schafft, weil ein trinitarischer Gott kein monologer Gott sein kann.                                           
5.7.20 09:42


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