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Zwischen Amt und Charisma

Einerseits wird jeder Mensch fremdbestimmt, andererseits ist er ein Wesen der Selbstbestimmung. Ist die Bedeutung der Selbstbestimmung in der Kirche überhaupt ein Thema? Durchaus ist sie das. Aber unter welcher Rücksicht? Mit welchem Vorzeichen? Es hängt von den Getauften ab, wie sie sich selbst verstehen und wie sie sich verhalten, ob sie wissen wollen, welche Bedeutung die Autonomie für das christliche Leben hat. Jeder, der sich mit seiner Selbstbestimmung zurückhält und der Fremdbestimmung den Vortritt lässt, passt sich einem gesellschaftlichen System an. Ganz gleich, ob es sich um einen Betrieb, eine Partei oder die Kirche handelt. Ein System soll die Dauer einer Organisation sichern. Deswegen braucht man Funktionäre, die darauf achten, dass alles „nach Vorschrift“ verläuft. Wenn das System immer wieder in Bewegung kommt, muss man sich neu orientieren. Das verlangt Intelligenz und Kraft. Wenn es daran fehlt, kann das Gebilde zerfallen und darum braucht man besondere Funktionäre, die den Bestand sichern. Man nennt sie heute wohl Manager.

 

Auf Manager und Funktionäre kann also auch die Kirche nicht verzichten?

 

Insoweit die Kirche eine Organisation ist, kann sie auf Funktionäre nicht verzichten. Ihre Behörden wären funktionslos. Insofern die Kirche jedoch ein Gebilde ist, in dem sich das Wirken Gottes zeigen soll, braucht die Kirche Persönlichkeiten. Sonst sind die Funktionäre Träger der Fremdbestimmung in der Kirche.

 

Wird dadurch das Wesen der Kirche verdunkelt?

 

Mehr als das. Es wird erstickt. Denn ohne Selbstbestimmung kann der Mensch kein Verhältnis zu Gott eingehen. Das wird zwar energisch bestritten. Denn die Funktionäre der Kirche bezeichnen sich als „Diener“ und „Knechte“ Gottes. Die Glieder der Kirche werden als Werkzeug Gottes und nicht als Kinder Gottes bezeichnet. Das zeigt doch, dass man über funktionales Denken nicht hinaus will. Funktionale Interessen „verdunkeln“ immer das Bedeutsamere, wenn sie zum Selbstzweck geworden sind.

 

Verkündet die Kirche dann überhaupt die „Freiheit der Kinder Gottes“?

 

Gewiss redet sie darüber. Aber was sie damit meint, erklärt sie nicht. Funktionäre haben keinen Willen zur Klarheit durch Begründung, sondern nur zur Ordnung nach Vorschrift. Deshalb wird die Tradition bis zum Exzess verteidigt. Das Verhältnis zu Gott ist von einer „Heilsordnung“ bestimmt. Aber das Heil ist eine Frage nach der Zukunft. Eine Ordnung ohne Freiheit, ist zwar menschenunwürdig, aber gegenüber Gott soll zuerst der Gehorsam gelten. Sein Wille wird als Gebotswille gepredigt und nicht als konstitutiver Wille. Denn dann müsste man auch sagen, dass Gott die menschliche Freiheit konstituiert. Denn erst die Konstitution der Freiheit durch Gott kann zu erkennen geben, was die Menschen mit Gott zu tun haben. Das zu zeigen, ist doch immer von aktueller Bedeutung. Aber das schließt Veränderung mit ein. Veränderung aber ist im Prinzip systemgefährdend. Wer es mit kirchlichen Funktionären zu tun hat, bekommt immer einen Knüppel gezeigt, damit er gehorcht. Der Gehorsam ist die Leiter „nach oben“. Man muss „sich hochdienen“, sagte mir ein Bischof. Wiederholte Gehorsamsverweigerung führt zur Suspendierung, zur Amtsenthebung. Das betrifft auch einen Priester, der eine Stelle nicht annehmen will, weil er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlt.

 

Herrscht in einem solchen System nicht ein befremdliches Klima?

 

Das Klima vermittelt dauerhaft, den „objektiven Geist“, also das, was in einem System „Sache“ ist. Ein Klima bekommt jeder zu spüren. Die Fremdbestimmung ist in der Kirche maßgebend. Sie „verkündet“ den Willen Gottes, wird behauptet. Die Selbstbestimmung aber ist eine bloße Idee ohne Praxis. Wenn jeder in einer Institution das dort herrschende Klima spürt, reagiert er doch auch darauf.

 

Hat das Klima in der Kirche auch eine Wirkung auf den Priester- und Ordensnachwuchs?

 

Gewiss, aber eine recht unterschiedliche. Es ist doch auffällig, dass innerhalb eines Jahrzehnts in den Ländern Westeuropas die Mehrzahl der Priesterseminare geschlossen worden sind. Die Naiven meinen, der Grund dafür sein der Zölibat. In der anglikanische Kirche gibt es keinen Zölibat, aber einen Rückgang der geistlichen Berufe. In der Ostkirche Kirche müssen die Männer verheiratet sein oder in einem Orden leben, damit sie zu Priestern geweiht werden können. Aber dort können viele nicht zu Priestern geweiht werden, weil sie keine Frau finden, die mit einem Popen verheiratet sein möchte. Auch evangelische Pfarrer raten ihren Kindern vom geistlichen Amt ab, obgleich die evangelische Kirche auch Frauen ordiniert. Der Grund für den fehlenden Priester- und Ordensnachwuchs liegt im Autonomiestreben, bzw. im Willen zur freiheitlichen Selbstbestimmung. Davon aber ist nie die Rede.

 

Warum sieht das in Polen ganz anders aus?

 

Noch, muss man einschränkend hinzufügen. Vor einem Jahr hieß es, dreiviertel alles Priesteramtskandidaten seien in Polen. Aber auch dort wird inzwischen ein Rückgang festgestellt. Mit dem Wohlstand gibt es bessere Lebensmöglichkeiten. Sie haben ihre Ursache in der menschlichen Selbstbestimmung. Ist sie erwacht, wirkt sie in alle Lebensbereiche ein. Zwar ist auch heute die Fremdbestimmung für Getaufte, die den Priesterberuf wählen, ein Schutzraum. Heteronome, fremdbestimmte Priester hat die Kirche immer gehabt. Aber es kann sein, dass sie in Zukunft diesen Geistestyp nur noch haben wird. Dann wird das kirchliche System als solches weiterbestehen. Denn unter den Getauften sind ohnehin nur jene noch in der Kirche zu sehen, die ihre Selbstbestimmung im bürgerlichen Leben verbeamtet haben. So kann es weitergehen – bis nichts mehr weitergeht.

25.6.19 08:21


Wird durch die Inkarnation Gottes alles einfacher oder wird die Fragwürdigkeit des Lebens größer?

Nehmen wir an, die Fragwürdigkeit des Lebens würde geringer, so dass die Menschen einerseits auf alles eine Antwort finden und sie andererseits alle praktischen Probleme lösen könnten, was wäre dann erreicht?

Ihre Sorgen wären wohl geringer. Sie brauchten keine neuen Interessen zu haben. Aber das führt zu nichts, wie die Geschichte zeigt. Darum heißt es in der Schrift: „Wehe euch, die ihr jetzt satt seid.“

Je länger sich Gott in der Geschichte mitteilt, umso fragwürdiger wird die Welt. Die Menschen haben dadurch den Eindruck, dass sie mit Gott nichts anfangen können. Was soll man dann von der Inkarnation Gottes halten? Wenn in der Inkarnation nicht Gottes Menschsein mitgegeben wäre, würden wir überwiegend den Daseinsdruck erfahren, den die Negativität ausübt. Wir würden es nur in den relativ engen Gehäusen der Positivität aushalten. Oder bildlich gesprochen: Wir lebten bestenfalls mit künstlichem Licht in einem feudalen Kellerdasein und draußen wäre schwarze Nacht. Wirkt Gott aber durch sein Menschsein auf den Geist des Menschen ein, ist es zwar mit der „Ruhe“ vorbei, aber die Verwirklichung neuer Lebensmöglichkeiten hört nicht auf, sondern sie nimmt zu. „Der Geist weht, wo er will.“ Lebensmöglichkeiten, die man verwirklichen möchte, aber mangels Kraft und Fähigkeiten nicht verwirklichen kann, sind dann ungelöste Probleme. Das kennen wir.

Gott wartet also gar nicht, bis alle an ihn glauben? „Gott lässt regnen über Gute und Böse und seine Sonnen aufgehen über Gerechte und Ungerechte.“ Es gibt durchaus günstige Voraussetzungen für alle. Zu bedenken ist aber auch, was Menschen vereiteln. Auch das sind Prozesse des Unglaubens. In religiöser Sprache werden sie Sünde genannt. Wir könnten schon viel weitergekommen sein.

24.6.19 09:41


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